Da bin ich! Für Piroschka geht es jetzt endlich richtig los: Die Wahl des Brautkleides stand jetzt auf dem Programm.


160 Minuten Ratlosigkeit

Fünf Meinungen - eine Entscheidung:
Prinzessin Piroschka lässt sich nicht bitten.

MÜNSTER - Wer ist denn hier nun bitte die Braut? Simone, die mit lauten Seufzern quer durch das Geschäft läuft, dabei ein Kleid nach dem anderen herauszieht – oder Piroschka, die inmitten des Raumes steht und in resolutem Ton fordert: „Ja, dann fangen wir doch mal an!“
Genau, wir fangen einfach mal an. Und dass Piroschka die Gewinnerin unserer großen MZ-Traumhochzeit ist, das weiß hier ohnehin jeder. „Ah, die Braut ist da“, freut sich auch Ana Isabel Cubaixo Stratmann, Inhaberin des Brautmoden-Fachgeschäftes „Anabella“ am Servatiiplatz, als sich die Türklingel um kurz nach drei meldet. Und das gleich vier Mal.
Simone (die saß mit Piroschka in der exklusiven Beresa-Limousine), Frauke (hat Sohnemann Felix mitgebracht) und Maike sind gleich mitgekommen. Die Freundinnen wollen der Braut aber nicht nur beratend zur Seite stehen, sondern natürlich auch gucken, anfassen, stöbern. Nur anziehen ist nicht erlaubt.

„Das bringt Unglück!“, sagt Verkaufsberaterin Ulrike Till, als Simone sie mit flehenden Augen anblickt. „Dazu brauchen sie erst einen Mann“, so Till. „Ach was, ich bin eine moderne Frau!“, kontert Simone. Na gut. Heute ist also Piroschkas Tag. Also macht Simone lieber Fotos, seufzt und sagt, was ihr am besten gefällt. Nicht um zu beeinflussen, sondern um ein Feedback zu geben. Und das ist ja schließlich erlaubt.

Das fliederfarbene Kleid, das Simone gern an Piroschka sehen würde, gibt es nicht. Auch Rot – dies hätte Frauke ja schon sehr gefallen – ist derzeit nicht so angesagt. Piroschka setzt da andere Prioritäten. Weiß soll es sein. Ergo fällt auch die Vorauswahl aus: Sechs Kleider, eins schöner als das andere. Und Nummer sieben, mit roten Längsstreifen, als Bonus obendrauf. Der einzige Farbtupfer übrigens. Alle anderen Kleider kommen eher aus der Ecke „märchenhaft“, „prinzessinnengleich“ und „seufzend-schön“. Ein Umstand, der Piroschka in den nächsten zweieinhalb Stunden durcheinander bringen wird: „Schön sind sie ja alle. Das ist der Haken an der Sache.“


Wunderschön – aber eben nur „99 Prozent“: Die Inhaberin nimmt´s gelassen.


„Etwas zu sehr Sissi-haft“ fand Piroschka nach langer Überlegung dieses Kleid.

Mit Beraterin Eva-Maria Alex verschwindet Piroschka in Kabine Nummer eins. Nicht mal zwei Minuten später ist sie wieder da. Lächelnd. Und das Tribunal? Ist begeistert. „Das sieht ja aus, wie in ‚Die Schöne und das Biest‘“, jubelt Frauke. Gut, dass dies Piroschkas Gatte Oliver nicht gehört hat ... der darf heute, der Tradition entsprechend, auch gar nicht dabei sein. Der Arme. Denn die „Magie des ersten Kleides“ hat bereits um sich ge- und alle mehr oder minder stillen Beobachter ergriffen. „Ja, dann hätten wir’s, oder?“, grinst Piroschka.

Prosecco


Aber nein, es fängt ja gerade erst an. Kleid Nummer zwei „macht dich älter, Piri“, sagt Simone. Bumm. Das sitzt. Aus nach 42 Sekunden.
Nummer drei: „Okay, aaaaaber....“ Und tschüss. Nummer vier. „Hm... schon schön, oder?“ Piroschka wiegt sich nach links, wiegt sich nach rechts. Dreht sich. „Das macht dich zu niedlich“, schallt es von hinten. Der falsche Satz. Jetzt geht „Piri“ auf Angriff. „Ja, bin ich etwa nicht niedlich?“ 1:0.
Nummer fünf. „Ganz nah am ersten, aber zu unruhig.“ – „Nein, finde ich nicht“, sagt Piroschka. Nummer sechs ist schnell passé („zu langweilig!“) und die rotstreifige Nummer sieben läuft eh außer Wertung. Also: Finale! „Ich glaub, ich brauch ’nen Sekt“, sagt sie. Den brauchen alle anderen jetzt auch. Und den kriegen sie.

 
Spieglein, Spieglein... Verkaufsberaterin Eva-Maria Alex (rechts) versuchte, Piroschka jeden Wunsch von den Augen abzulesen, was – zugegeben – nicht immer ganz einfach war.   Piroschkas Freundinnen Simone, Maike und Frauke (mit Felix) bildeten das „Hochzeitskleid-Tribunal“. Am Ende verließ sich die angehende Braut aber ganz auf ihr eigenes Gefühl.

Der Endspurt nach zwei Stunden Anprobe: Drei Traumkleider. Mit Kette, mit Stola. Und mit einer Braut, die weiß, was sie will. Nämlich nicht das, was hier alle im Rund vehement fordern. Sie will ihr eigenes Traumkleid. Hat es längst gefunden. Das, was am besten zu ihr passt. Sie will ... nach 160 Minuten wieder in ihre lilafarbenen Strümpfe steigen, Oliver und alle Freunde überraschen. Ihr und uns sei’s gegönnt ...

Text und Fotos: Marc Geschonke


 

 

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